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GS-Gemeindeschulung

3. Die Gemeinde als Familie

Gemeindeseminar vom 12./13. September 2000

 

Copyright-Hinweis: Einzelne Passagen in dieser Ausarbeitung wurden mit freundlicher Genehmigung dem Lehrmaterial der ARCHE in Augsburg entnommen.

 

Verbindliches Leben in einer neutestamentlichen Gemeinde

Zentrale Bibelstellen:

Markus 10, 29+30

Jesus verheißt uns eine neue Familie

Galater 6, 10

Hausgenossen des Glaubens

Epheser 2, 20

Hausgenossen Gottes

Wie in einer "richtigen" Familie haben die einzelnen Familienmitglieder auch eine unterschiedliche Reife:

1.Johannes 2, 12 ff

Väter - junge Männer - Kinder

Dabei ist diese Reifung (= heranwachsen) allerdings zeitunabhängig und hängt mit Hingabe und Gehorsam Gott gegenüber zusammen (Hebräer 5, 12ff)

Das wohl eindrücklichste Bild für die Familie des Reiches Gottes ist das der "Familie mit integriertem Gewerbebetrieb". Die Großfamilie in alten Zeiten war nicht nur ein Geflecht von Beziehungen, sondern nahm auch gemeinsam eine Aufgabe wahr. Da in unserem heutigen modernen Denken viele dieser Gedanken verschüttet worden sind, weil man nicht mehr in Großfamilien zusammenlebt, sondern in einzelnen, individuellen Zellen, geht auch viel an Verständnis für die Gemeinde verloren. Dazu gehört unter anderem die Tatsache, dass die Gemeinde ein Beziehungsgeflecht von Menschen verschiedener Altersstufen und Gruppen ist. Natürlich führt das auch zu Generationskonflikten, zu Spannungen, die im Einvernehmen miteinander geklärt werden müssen. Wo dazu nicht die Bereitschaft da ist, wird es immer wieder zu Reibungspunkten und auch zu Divergenzpunkten führen.

Die Familie sollte bereit sein, auf alle wirklichen Mitglieder der Familie Rücksicht zu nehmen und auf sie einzugehen. Ich betone den Begriff "wirkliches Mitglied". Zugehörigkeit zur Gemeinde muss ganz klar definiert sein.

In dieser Familie hat jeder einzelne seine Aufgabe, deswegen sprechen wir von "Familie mit integriertem Gewerbebetrieb". Schon die Kleinsten können einfache Aufgaben wahrnehmen und mithelfen. Gemeinde muss eine Gemeinschaft von Menschen sein, die bereit sind, Verantwortung zu tragen und zwar jeder nach seiner Kraft, ohne dass er überfordert wird.

Es gilt, Gottes Zielsetzung wahrzunehmen und umzusetzen. Das ist unser "Gewerbe".

 

1. Familie kennt Verbindlichkeit

In unserer Gesellschaft ist ein starker Individualismus ausgeprägt. Das Schlagwort unserer Zeit ist Selbstverwirklichung. Hier sind besonders esoterische Gedankengänge zu nennen, die sich immer mehr in das Denken unserer Zeit einschleichen. Nach der Zeit der Aufbauphase in unserem Land nach dem Krieg kam die Welle der Kreativität, der Selbstverwirklichung. Die Zeit der APO, der Frankfurter Schule, der späten 60-er Jahre hat unser Denken auf neue Werte ausgerichtet. Es ging darum, den Menschen frei von jedem Zwang oder Druck zu machen. Selbstverwirklichung war und ist die Parole.

Daraus hat sich ein starkes Leben nach dem Lustprinzip entwickelt. Wenn wir einmal ehrlich analysieren, welche Dinge wir nur tun, wenn wir dazu Lust haben, und wenn wir keine Lust dazu haben, sie nicht tun, dann werden wir darüber erschrocken sein. Die Degenerierung der Familie, die rapide Zunahme von Ehescheidungen und einer Zerstörung der Familie, die Auflösung vieler Werte, und die Verbequemlichung durch neue technische Möglichkeiten, hat zu einer Individualisierung unseres Lebens geführt. Man ist nicht mehr aufeinander angewiesen, man hat ja "Aldi"! Der Kühlschrank, neuerdings auch die Mikrowelle, der Fastfood-Laden um die Ecke macht uns unabhängig. Sich an gemeinschaftliche Regeln zu halten wird so immer schwieriger.

Nicht nur Gemeinden, sondern auch alle möglichen anderen gesellschaftlichen Gruppen leiden unter diesem Zustand. Da ist der Sportverein, der keine ehrenamtliche Mitarbeiter mehr findet, da ist der Gartenbauverein, der wegen Überalterung seiner Mitglieder in den nächsten 10 Jahren wird schließen müssen. Darunter leiden auch besonders die Politiker, die dieser Entwicklung nichts entgegenzusetzen haben.

Zum Nachdenken:

Da ist aber auch die Gemeinde Jesu, an der dieser Individualismus auch nicht vorbeigegangen ist. Auf diese veränderte Situation müssen wir uns heute einstellen, wenn wir über die Gemeinde Jesu nachdenken. Es muss ein Brennen in unserem Herzen sein, das zu verwirklichen, was Jesus und der ersten Gemeinde und seinen Aposteln wichtig war. Wenn wir Gemeinde nach unseren eigenen Spielregeln zu bauen versuchen, werden wir gegen die Wand laufen!

Deswegen wollen wir in unserem heutigen Bibelstudium in das Wort Gottes hineinschauen und sehen, nach welchen Prinzipien und Regeln sich das Leben der ersten Gemeinde gestaltete. Wir müssen zu dem Punkt kommen, dass wir anerkennen, die Prinzipien, die Jesus seinen ersten Jüngern und seiner ersten Gemeinde vermittelt hat, haben für uns auch heute nicht nur einen empfehlenden Charakter.

Gemeinde muss sich auf die Kultur, die sie umgibt einstellen. Sie ist in der Welt, aber nicht von der Welt, wie Jesus sagt ! Deswegen ist es wichtig, dass wir uns zwar auf die äußeren Veränderungen einstellen und unser Angebot und unsere Tätigkeit als Gemeinde entsprechend ausrichten, nicht aber unsere inhaltlichen Werte an einem äußeren Rückschritt degenerieren lassen.

Es ist wichtig, sich im Klaren darüber zu sein, was Zugehörigkeit zur neutestamentlichen Gemeinde bedeutet. Es ist eine Freude, neue "Mitglieder" in die Gemeinde aufzunehmen, bedeutet auf der anderen Seite aber auch eine große Verantwortung für die Einzelnen.

 

2. Kennzeichen des Lebens der ersten "Familie"

2.1 Die erste Gemeinde kannte eine verbindliche Zugehörigkeit

Apg. 2,41 Es 3000 wurden hinzugetan
Voraussetzung: Annehmen des Wortes, Taufe
Apg. 2,38 = Buße, Taufe, Empfang des Heiligen Geistes

"Hinzugetan" spricht noch nicht von einer Organisationsstruktur. Trotzdem war klar, wer dazugehörte und wer nicht

2.2 Die erste Gemeinde hatte in ihrer "Beschäftigung" klare Schwerpunkte

Apg. 2,42 verharren, fest verharren
- Lehre der Apostel
- Gemeinschaft
- Brechen des Brotes
- Gebeten
Apg. 2,46 fest verharrend in der Gemeinschaft im Tempel in der Gemeinschaft in den einzelnen Häusern

2.3 Die erste Gemeinde kannte klare Beziehungen zueinander

Apg. 4,32

ein Herz und eine Seele

Apg. 5,12

Einmütigkeit

Gesunde Beziehungen in einer gesunden Familie kennzeichnen sich durch:

2.4 Die erste Gemeinde war von Verbindlichkeit zueinander geprägt

Apg. 4,34 keiner von ihnen war bedürftig (Ausgleich wurde geschaffen)
(finanzielle Investition in den Einzelnen und die Gemeinde)
Apg. 6,1 es geschah eine organisierte Versorgung der Bedürftigen
Apg. 12,5 anhaltendes Gebet der Gemeinde zu Gott als Petrus im Gefängnis war

2.5 Es wurde klare Verantwortlichkeit wahrgenommen

Apg. 5,3 Die freiwillige Investition mündete trotzdem in eine Verbindlichkeit des Heiligen Geistes
Apg. 11,1

Petrus muß sich für sein Handeln im Haus des Kornelius vor den Mitleitern verantworten
==> Verantwortung geschieht vor allem gegenüber der Leitung

2.6 Gemeinde - Ort gottgewirkter Gerechtigkeit

1.Kor 6,1-8 - Rechtsstreit vor Ungläubigen ? (4)
- Eigentlich generell nicht gut (7)
- Und wenn doch nötig: "weiser Schiedsrichter" (5)
- Christus, die Gerechtigkeit in uns, sollte uns befähigen, auf menschliche Richter nicht angewiesen zu sein

Wie sieht die Praxis aus ? (Kol.3,15)

 

Unsere Schlüssel für das Leben in der lebendigen Realität der neutestamentlichen Gemeinde:

Fragen zur persönlichen Auseinandersetzung

Konkretisierung

Versucht als Hauskreis zu Festlegungen zu kommen, wie ihr einer Entwicklung der Unverbindlichkeit in Eurer Gruppe entgegenwirken wollt. Sprecht offen darüber und versucht auch zu offenen Festlegungen zu kommen, die einen allgemein gehaltenen Charakter übersteigen!

 

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